Als Grenzgänger unterwegs zwischen Allgäu und Vorarlberg

Im September führt uns der hl. Ulrich über die Grenze nach Vorarlberg, wo wir in Möggers gleich zwei Kirchen, die ihm geweiht sind, aufsuchen. Davor sind wir in Scheidegg auf dem ökumenischen Pilgerweg zu vielen Kapellen unterwegs, danach lockt die Abfahrt nach Lindau am Bodensee, wo wir in Aeschach ebenfalls eine Ulrichskapelle finden. Aber auch andere Sehenswürdigkeiten des südwestlichsten Dekanates im Bistum Augsburg lohnen den Weg.

Gesamtstrecke: 42159 m
Maximale Höhe: 975 m
Minimale Höhe: 395 m
Gesamtanstieg: 702 m
Gesamtabstieg: -963 m
Download file: t274490032_radpilgertour zu den.gpx

Anfahrt: Bahnverbindung von Augsburg teilweise über Buchloe oder Kempten nach Heimenkirch

Rückfahrt: Bahnverbindung von Lindau-Reutin über Buchloe oder Kaufering nach Augsburg

Wegverlauf: Heimenkirch – Lindenberg – Scheidegg – Ulrichskapelle bei Möggers – Hergensweiler – Lindau – Aeschach

Strecke: 42,2 km.

Höhenunterschied: ca. 1120 m. bergab, ca. 850 m. bergauf

Gesamtfahrzeit: 5 Std.

Anforderung: eher anspruchsvolle Radtour mit kurzer Schiebe-/Tragestrecke vor der Ulrichskapelle, teilweise auch unbefestigte Wege, steile Abfahrten und Anstiege

Einkehrmöglichkeit: in Scheidegg und Lindau mehrere Möglichkeiten, in Hergensweiler Gasthof Alte Post

Beste Jahreszeit: zwischen Frühjahr und Herbst

 

Foto (Elsner): Die Pfarrkirche von Lindenberg ist unser erstes Ziel.

Am Bahnhof Heimenkirch (1) angekommen, müssen wir auf die andere Seite der Gleise, weshalb wir auf der Bahnhofsstraße nach rechts fahren. So kommen wir zur Unterführung, hinter der es gleich wieder rechts geht – und zwar bergauf. Auf den nächsten gut 2 km bis Nadenberg (2) überwinden wir 150 Höhenmeter auf unserem schmalen Sträßchen! Am höchsten Punkt erwartet uns die malerische Martinskapelle, dahinter geht es erst einmal bergab in das Zentrum von Lindenberg, dessen zweitürmige Kirche unser nächstes Ziel ist. Um zu ihr zu gelangen, biegen wir am Ende der Nadenbergstraße nach rechts in die Bismarckstraße ein, die uns kurvenreich und später unter dem Namen „Blumenstraße“ zur Pfarrkirche Lindenberg (3) führt.

Mit ihrer eigentümlichen Apsiskuppel und den beiden mit welschen Hauben gekrönten Türmen prägt die erst 1914 geweihte neobarocke Kirche nicht nur das Wappen Lindenbergs, sondern auch das Ortsbild. Der große lichte Saalbau mit seinem imposanten Deckenfresko ist den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht: die entsprechenden Figuren stammen aus dem Jahre 1684 und wurden als „echt“ barocke Kunstwerke aus der ehemaligen Kirche St. Martin in Wangen hierhergebracht.

Die kleine Marienkapelle, die wir erreichen, wenn wir der Hauptstraße gen Westen folgen, ist ein Anhaltspunkt, um auf eine weniger stark befahrene Nebenstraße, die Sonnenhalde, auszuweichen. Für etwa 700 Meter radeln wir auf dieser Parallelstraße, bevor wir nach rechts wieder zu einer Ampel fahren und dann links in die Hauptstraße, die inzwischen Pfänderstraße heißt, einbiegen. Bald können wir auf einem guten Rad-/Fußweg, der auch einmal die Straßenseite wechselt, auf Scheidegg zu radeln, wobei wir im Weiler namens Haus wieder an einer Marienkapelle vorbeikommen. Doch unser nächstes Ziel ist die Scheidegger Pfarrkirche St. Gallus (4), zu der wir über den Pfarrweg, der kurz vor der Kirche schräg links abzweigt, gelangen.

Bereits 1491 gab es hier eine Pfarrei, die stattliche Kirche wurde allerdings erst Ende des 18. Jahrhunderts errichtet und 1806 geweiht. Das Patrozinium erinnert an den iroschottischen Wandermönch, dessen wichtige Lebensszenen auch auf den Deckengemälden verewigt sind. Im Chorraum zieht der moderne Ambo mit den miteinander verwobenen Evangelistensymbolen die Blicke auf sich.

Zwischen den Häusern geht es nun wieder auf die Hauptstraße zurück, der wir nun als Zollstraße folgen. Auf der linken Seite fällt uns nach etwa 300 m wieder eine Kapelle ins Auge, die der Mutter Mariens St. Anna (5) geweiht ist.

Die größte und älteste Kapelle Scheideggs wurde um 1500 erbaut und besitzt auch eine wichtige ökumenische Bedeutung, da nach dem 2. Weltkrieg, vor der Erbauung der evangelischen Kirche, hier die protestantischen Gottesdienste abgehalten wurden. Eine schöne Anna-Selbdritt-Gruppe krönt den Hauptaltar.

Am besten schieben wir unser Rad die nächsten Meter, da wir gleich in die folgende Straße nach links abbiegen wollen, um zur modernen evangelischen Auferstehungskirche zu gelangen, wo sich heute auch das ökumenische Pilgerzentrum (6) von Scheidegg befindet.

Die ansprechende Außenanlage mit den Jakobsmuscheln am Boden und den Sitzbänken lädt zur Rast ein – und das auf dem Fußboden eingelassene Chartres-Labyrinth im evangelischen Gotteshaus zur Meditation.

Wir radeln in Fahrtrichtung weiter zur Prinzregent-Luitpold-Straße, in die wir nach rechts einbiegen. An Teichen und Kureinrichtungen vorbei geht es zur nächsten Abzweigung, wo wir uns rechts halten. Die Straße steigt an und erreicht nach einem Waldstück den Weiler Ebenschwand mit seiner an einen Aussichtspunkt gelegenen Herz-Jesu-Kapelle (7).

 

Foto (Elsner): Im Scheidegger Weiler Ebenschwand liegt aussichtsreich die Herz-Jesu-Kapelle.

Zum Dank dafür, dass alle Ebenschwander Weltkriegsteilnehmer zurückgekehrt sind, errichtete man in den Jahren 1920/21 diese malerische Kapelle. Dabei erinnert das Patrozinium auch an die lebendige Herz-Jesu-Verehrung in Tirol.

 

Der steile Weg über die Grenze nach Vorarlberg.

Wir nähern uns nun der österreichischen Grenze, indem wir uns bei der nächsten Verzweigung rechts halten und in Richtung Oberschwanden radeln. Vor dem großen Parkplatz des Skyline-Parks biegen wir scharf links ab in den Wald, wo nun ein erst leicht, dann aber recht steil ansteigender Schotterweg unsere ganze Aufmerksamkeit fordert. Ein kleines Stück geht es danach bergab, doch am großen Schilderbaum ist es vorerst Schluss mit dem Radfahren. Der Pfad nach rechts führt über Wurzeln und Treppen, so dass man das Fahrrad besser trägt oder schiebt. Doch die nicht einmal 200 Meter, die uns nach Vorarlberg führen, sind schnell geschafft, und oben empfängt uns das wunderbar in der Waldeinsamkeit gelegene Ensemble des heilsamen Brunnens und der Ulrichskapelle (8) dahinter.

Das mit einem zierlichen Dachreiter gekrönte Gotteshaus wacht bereits seit über 1000 Jahren über die unter dem Altar befindliche Quelle, die der Legende nach auf eine Rast Bischof Ulrichs zurückgeht, und ist somit eine der ältesten Kirchenbauten in Vorarlberg. Der schlichte Bau mit seinem romanischen Rundbogenfenster auf der Südseite zieht Gläubige von beiden Seiten der Grenze an. Pilger aller Jahrhunderte hinterließen an den Kirchenwänden ihre Kürzel, die gotischen Fresken am Triumphbogen und in der Apsis haben eine eindrucksvolle Wirkung trotz ihres leicht verblassten Zustandes. Auf dem neugotischen Altar steht der Kirchenpatron, flankiert von den Heiligen Ottilia und Barbara.

 

Foto (Elsner): Inneres der alten Ulrichskapelle von Möggers.

Auch wenn der weitere Weg recht schmal ist, können wir, immer mit Rücksicht auf Wanderer, wieder auf unseren Drahtesel steigen und durch den Wald fahren. Es ist einer der herrlichsten Ausblicke, der sich bietet, wenn wir nun aus dem Schatten tauchen – vor uns sehen wir nicht nur ganz unmittelbar den hoch aufragenden Turm der Pfarrkirche von Möggers, sondern hinter ihr sogar bis zum Bodensee! Die Pfarrkirche St. Ulrich (9) ist unser nächstes Ziel, die Zufahrt allerdings noch einmal eine steile Herausforderung, diesmal geht es aber bergab. Durch den Friedhof sollte man das Rad bitte schieben – oder links um ihn herumfahren!

 

Foto (Elsner): Pfarrkirche St. Ulrich in Möggers mit Blick auf den Bodensee.

Der ungewöhnlich hohe Turm ist ein Relikt der gotischen Vorgängerkirche, die bis ins 14. Jahrhundert zurückzudatieren ist. 1738 wurde jedoch der barocke Neubau errichtet. Die Figuren am Hochaltar (links Kirchenpatron Ulrich) stammen ebenso aus der Erbauungszeit wie die Kanzel und Teile der Seitenaltäre, die restliche Ausstattung wurde im 20. Jahrhundert ergänzt (Fresken, Glasmalerei, Hochaltarbild).

 

Foto (Elsner): Die Pestkapelle bei Hergensweiler.

Wir verlassen Kirche und Friedhof und haben nun eine rasante Abfahrt vor uns. In unzähligen Kurven, darunter auch etliche Serpentinen, zieht sich die Landstraße hin. Ein kleiner Gegenanstieg hinter dem Weiler Kurlismühle führt zu einer Einmündung, an der wir uns rechts halten. Wenige Meter später, bei der Ortsfeuerwehr, geht es aber wieder nach links: Erst recht mäßig, dann aber steil und mit Serpentinen bergab, 5 km bzw. 330 Höhenmeter lang! Bei der Einmündung im Weiler Leutenhofen fahren wir nach rechts, durch Hohenweiler hindurch und weiter bergab bis zum Rickenbach, der hier die Grenze bildet. So kommen wir wieder auf bayerischen Boden und radeln hinauf zur B308, die wir überqueren. Es geht nach Niederstaufen, wo uns der markante Drumlinhügel links auffällt, der schon in römischer Zeit besiedelt war. Hinter dem Ortsende nehmen wir die kleine Straße links nach Immenmühle. Bei einer Verzweigung halten wir uns ebenfalls links und können in der Ferne linkerhand schon einen Blick auf die Pestkapelle von Hergensweiler erhaschen. Doch zunächst geht es ins Tal hinab zu einer historischen gedeckten Brücke über die Leiblach, dahinter recht steil hinauf nach Wolfgangsberg und an Feldern vorbei zur Dorfstraße, wo wir nach links abbiegen und bald im schönen Hergensweiler mit seiner Ambrosius-Kirche, dem Heimatmuseum und einer gemütlichen Wirtschaft ankommen. Zur Pestkapelle (10) sind es noch einige Meter ortsauswärts in Richtung Hagers. Den steilen Anstieg auf den Hügel gilt es dann noch zu bewältigen – schiebend oder fahrend.

Malerisch auf der Anhöhe Käpellehalde gelegen und mitten im Pestfriedhof steht ein bescheidener Rechteckbau aus dem Jahr 1682. Der hübsche Barockaltar im Inneren zeigt zwischen zwei Heiligen die Vision des hl. Antonius, des Einsiedlers.

Nun haben wir nur noch kurze Gegenanstiege vor uns, meistens geht es angenehm bergab. Wir radeln weiter nach Hagers und am Hagersbach nach links, doch dahinter gleich wieder nach rechts am Waldrand entlang. So nähern wir uns der Bundesstraße 308, unterqueren sie und fahren auf dem Radweg nach rechts. Wieder durch eine Unterführung geht es 750 m später nach Schlachters hinein. Am Bahnübergang am Ortsende biegen wir auf den Rad-/Fußweg nach links ab und fahren entlang den Gleisen, bis wir die Autobahn überquert haben. Dahinter geht es nach rechts und durch die Häuser von Eggenwatt. Wir stoßen auf einen Radweg neben der Landstraße und halten uns links. Nun erreichen wir die B12, die wir überqueren und dann auch wieder nach links auf einem Radweg entlangfahren. Dieser entfernt sich einmal von der vielbefahrenen Straße und führt durch den ruhigen Ort Rehlings. Immer gut durch Wegweiser geführt, erreichen wir Lindau und biegen beim ersten Kreisverkehr auf die Ludwig-Kick-Straße ab. Dieser folgen wir bis zur Kreuzung mit der Anheggerstraße, in die wir als Radfahrer auch links abbiegen dürfen. Beim alten Friedhof halten wir an und stehen vor dem einzigen Gotteshaus im Dekanat Lindau, das dem Bistumspatron geweiht ist, der Aeschacher Ulrichskapelle (11).

 

Foto (Elsner): Im Aeschacher Friedhof liegt die Ulrichskapelle von Lindau.

Die Friedhofskapelle geht auf das Jahr 1849 zurück, als durch die Zugehörigkeit des protestantischen Lindau zu Bayern seit 1806 zunehmend katholische Verstorbene bestattet werden mussten. Der durch Spenden auch evangelischer Christen mitfinanzierte Neubau wurde Auferstehungskapelle genannt. Erst nach der grundlegenden Renovierung 1998 erhielt das neugotische Gotteshaus den Namen Ulrichskapelle.

Wir umrunden den Friedhof, der nach italienischem Vorbild als Campo Santo gestaltet ist, und kommen dabei an der Krellschen Kapelle vorbei. Nun müssen wir vorsichtig den Langenweg überqueren, um auf die Holdereggenstraße zu gelangen. Diese radeln wir entlang, bis zur Überquerung der Gleise und fahren dann links auf dem Heckenweg bis zum Bodensee. Hier queren wir abermals den Bahnkörper und radeln auf dem Damm zwischen Binnenhafen und Gleisen auf die Lindauer Insel. Der Hafen mit Leuchtturm und Löwe als Wahrzeichen lohnt ebenso einen Besuch, wie das beeindruckende Münster (12). In den Fußgängerbereichen sollten wir allerdings das Fahrrad schieben!

Die früher auch als Damenstift bekannte Marienkirche wurde 2002 zum Münster erhoben und damit seine Bedeutung als eines der ältesten Gotteshäuser im Umkreis gewürdigt. Bis ins Jahr 810 reichen seine Ursprünge zurück, auch wenn es sich damals wohl um eine kleine hölzerne Kirche handelte. Eine christliche Gemeinde gab es allerdings noch früher. Vor dem Jahr 1000 wurde ein Steinbau errichtet und zur Grablege der Bregenzer Grafen bestimmt. Romanische und gotische Um- und Neubaumaßnahmen folgten im Mittelalter. Auch die Reformation brachte kein Ende des Damenstiftes mit sich. Da aber ein verheerender Stadtbrand 1728 alles in Schutt und Asche gelegt hatte, wurden in den Jahren 1748 – 1752 Kirche und Stift unter der Leitung von J.C. Bagnato neu aufgebaut und hervorragend mit Stuck, Fresken und Rokoko-Schnitzereien ausgestattet. Zwei Katastrophen im 20. Jahrhundert (Brand 1922, Einsturz der Decke 1987) wurden durch große Restaurierungsmaßnahmen beinahe ungeschehen gemacht, so dass wir heute in einem wunderbar beschwingten Kirchenraum sitzen können.

 

Foto (Elsner): Das Lindauer Münster bildet den krönenden Abschluss unserer Tour.

Vom Münster kommen wir über die Schmiedgasse leicht zur Brücke über den Bodensee wieder zurück aufs Festland. Nun sollten wir uns rechts halten, um auf der Bregenzer Straße zum Bahnhof zu gelangen. Wenn die Gleise in Sichtweite kommen, müssen wir sie unterqueren und biegen dazu links ab. Wir halten uns rechts, dann ist es nicht mehr weit zum Bahnhof Reutin (13).

Wir Autoren der Jubiläumsradtouren, Susanne und Walter Elsner, wünschen Ihnen eine gute Pilgerfahrt. Wenn Sie Rückfragen, Kritik oder Anregungen haben, schreiben Sie bitte in unser Kontaktformular auf unserer Homepage https://pilgerimpulse.jimdofree.com/. Dort finden Sie auch eine Vorschau auf die Ulrichsradtouren der nächsten Monate und können einen Pilgerausweis zum Ausdrucken herunterladen. Auch Wünsche zu Vorträgen über die Ulrichspilgerwege oder das Pilgern allgemein nehmen wir für den jeweiligen Aktionsmonat gerne entgegen.